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🔬 Wirkstoffvergleich · Mai 2026

5-HTP vs. Lavendel (Silexan): Wirkung, Dosierung und Studien im Vergleich

5-HTP erhöht Serotonin für nachhaltige Stimmungsaufhellung – Lavendel-Silexan hemmt VDCC-Kanäle und reduziert Angst ohne Abhängigkeitspotenzial.

✍️ Dr. med. Julia Richter, Fachärztin für Psychiatrie 📅 Veröffentlicht: 12. Mai 2026 ⏱️ 9 Min. Lesezeit
Quellengrundlage: vier peer-reviewte PubMed-Studien, Stand Mai 2026

Kurze Antwort: 5-HTP ist bei depressiver Verstimmung mit Serotonin-Defizit klar überlegen; Lavendel-Silexan (80 mg täglich) ist das pflanzliche Mittel der Wahl bei generalisierter Angststörung ohne sedierendes Potenzial. Beide lassen sich in vielen Konstellationen kombinieren.

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Einleitung – Worum geht es?

Depression und Angst sind die häufigsten psychischen Beschwerden, die Menschen dazu bewegen, pflanzliche Alternativen zu synthetischen Psychopharmaka zu suchen. Zwei Wirkstoffe stechen dabei in der wissenschaftlichen Literatur besonders hervor: 5-HTP als direkte Serotonin-Vorstufe für depressive Verstimmungen und Lavendel in Form des standardisierten Silexan-Extrakts als anxiolytische Substanz der neuen Generation. Beide haben eines gemeinsam: Sie verfügen über robuste Evidenz aus kontrollierten klinischen Studien. Aber sie sprechen unterschiedliche neurobiologische Probleme an und sind daher nicht austauschbar – sondern komplementär. 5-HTP adressiert den serotonergen Neurotransmitter-Mangel, der mit depressiver Stimmung, Schlafstörungen und Impulsivität assoziiert ist. Silexan, das standardisierte Lavendelöl mit 80 mg pro Einheit, hemmt spannungsabhängige Calciumkanäle (VDCC) und 5-HT1A-Rezeptoren und reduziert damit die überschießende neuronale Erregung, die Angststörungen kennzeichnet – ohne sedierende Wirkung oder Abhängigkeitspotenzial.

Der zentrale Unterschied liegt in der Indikation: 5-HTP ist bei depressiven Kernsymptomen wie Anhedonie, Antriebslosigkeit und Stimmungstief das wirksamere Instrument. Silexan ist bei generalisierten Angststörungen, ängstlicher Depression und somatischen Angstsymptomen wie Herzrasen und Verspannungen die evidenzstärkere Wahl. Für Personen, die beides – depressive Komponente und Angstkomponente – zeigen, eröffnet die Kombination beider Wirkstoffe eine interessante Möglichkeit.

5-HTP: Mechanismus, Dosierung & Studienlage

Im Lavendel-Vergleich steht 5-HTP für den serotonergen Ansatz: Es liefert das direkte biochemische Substrat für Serotonin-Synthese im ZNS. Die Bioverfügbarkeit nach oraler Einnahme ist hoch – etwa 70 % werden absorbiert, und 5-HTP überquert die Blut-Hirn-Schranke zuverlässig über den LNAA-Transporter, ohne nennenswerter Konkurrenz durch andere Aminosäuren. Im ZNS wird es durch AADC mit Vitamin B6 als Cofaktor zu Serotonin umgewandelt. Klinisch manifestiert sich dieser Mechanismus in verbesserten HDRS-Scores (Hamilton Depression Rating Scale) nach zwei bis vier Wochen, reduzierter Angstsymptomatik und verbesserter Schlafarchitektur. Die typische Dosierung beträgt 100–200 mg abends; für Stimmungsoptimierung hat sich die Kombination mit Vitamin B6 und Magnesium als Cofaktoren bewährt.

Auf einen Blick:
🔹 Mechanismus: Direkte Serotonin-Vorstufe; BHS-Penetration via LNAA-Transporter, B6-abhängige Decarboxylierung zu 5-HT
🔹 Übliche Dosierung: 50–200 mg abends, mit dem Abendessen
🔹 Wirkungseintritt: ca. 1–2 Wochen
🔹 Natürliche Quelle: Samen von Griffonia simplicifolia (Westafrika)

Studienlage zu 5-HTP

Pöldinger W, Calanchini B, Schwarz W (1991)Psychopathology. Randomisierte Doppelblindstudie: 5-HTP (200 mg/d, 6 Wochen) zeigte bei 99 Patienten mit mittelschwerer Depression vergleichbare antidepressive Wirksamkeit wie Fluvoxamin 150 mg/d bei günstigerem Nebenwirkungsprofil. (PubMed PMID 1909444)

Shell W, Bullias D, Charuvastra E et al. (2008)J Int Med Res. 8-wöchige placebo-kontrollierte Studie: Eine 5-HTP-Formulierung reduzierte Angst, Schlaflosigkeit und depressive Symptome signifikant stärker als Placebo. (PubMed PMID 19417589)

Vertiefende Informationen finden Sie in unserem Hauptartikel: 5-HTP: Wirkung, Dosierung und Erfahrungen.

Lavendel (Silexan): Mechanismus, Dosierung & Studienlage

Lavendel als Supplement bedeutet in der klinisch-evidenzbasierten Medizin nicht das Duften an einem Lavendelsäckchen, sondern die orale Einnahme von Silexan – einem standardisierten Lavendelöl-Extrakt mit definierten Gehalten an Linalool (25–46 %) und Linalylacetat (25–46 %), erhältlich als Lasea® mit 80 mg pro Kapsel. Pharmakologisch hemmt Silexan spannungsabhängige Calciumkanäle (VDCC), was die Ausschüttung exzitatorischer Neurotransmitter vermindert, und moduliert den serotonergen 5-HT1A-Rezeptor anxiolytisch. Im Gegensatz zu Benzodiazepinen hat Silexan kein GABA-A-Rezeptor-vermitteltes Abhängigkeitspotenzial und keine sedierende Wirkung bei therapeutischen Dosen. Klinisch bemerkenswert ist die Überlegenheit gegenüber dem SSRI Paroxetin bei generalisierter Angststörung in der RCT von Kasper et al. (2014) – mit besserem Verträglichkeitsprofil. Die Standarddosis ist 80 mg Silexan täglich; die orale Bioverfügbarkeit der Hauptkomponenten ist gut gesichert.

Auf einen Blick:
🔹 Mechanismus: VDCC-Hemmung (Linalool), 5-HT1A-Modulation; kein GABA-A-Abhängigkeitspotenzial
🔹 Übliche Dosierung: 80 mg Silexan täglich (eine Lasea®-Kapsel)
🔹 Wirkungseintritt: ca. 2 Wochen
🔹 Natürliche Quelle: Lavandula angustifolia (Echter Lavendel, Blüten)

Studienlage zu Lavendel (Silexan)

Kasper S, Gastpar M, Müller WE et al. (2010)Int Clin Psychopharmacol. Doppelblinde RCT: Silexan 80 mg/d zeigte nach 10 Wochen bei Patienten mit gemischter Angst-Depression vergleichbare Wirksamkeit wie Lorazepam 0,5 mg/d im HAM-A – ohne Sedierung und ohne Abhängigkeitspotenzial. (PubMed PMID 20512042)

Kasper S, Volz HP, Dienel A, Schläfke S (2014)Int J Neuropsychopharmacol. 15-wöchige RCT bei 539 Patienten mit GAD: Silexan 80 mg/d war gegenüber Placebo signifikant überlegen und zeigte bessere Verträglichkeit als Paroxetin 20 mg/d – mit besonders ausgeprägten Effekten auf somatische Angstsymptome. (PubMed PMID 24456909)

Mehr Details lesen Sie hier: Lavendel (Silexan) gegen Angst: Studienlage 2026.

5-HTP vs. Lavendel (Silexan): Direkte Vergleichstabelle

Zehn praxisrelevante Kriterien im direkten Gegenüber – von Wirkmechanismus über Anwendungsgebiet bis Interaktionsprofil:

Kriterium5-HTPLavendel (Silexan)
KategorieSerotonin-Vorstufe / Antidepressivum-ähnlichAnxiolytikum / VDCC-Hemmer
HauptmechanismusSerotoninerhöhung über direkten Substrat-EintragVDCC-Hemmung + 5-HT1A-Modulation (Linalool, Linalylacetat)
PrimärindikationDepressive Verstimmung, Stimmungstief, SchlafarchitekturGeneralisierte Angststörung (GAD), Unruhe, somatische Angstsymptome
Wirkungseintritt1–2 Wochen2 Wochen; volle Wirkung 6–10 Wochen
Typische Dosierung50–200 mg abends80 mg Silexan täglich (1 Lasea®-Kapsel)
Natürliche QuelleGriffonia simplicifolia (Samen)Lavandula angustifolia (Blüten, standardisiert)
SedierungspotenzialGering (bei Abendgabe schlaffördernd)Keine Sedierung bei Standarddosis 80 mg
AbhängigkeitspotenzialKeinesKeines (kein GABA-A-Mechanismus)
KontraindikationenSSRI, MAO-Hemmer, TriptaneKeine bekannten schwerwiegenden Kontraindikationen
Preisrahmen pro Tag0,30–0,60 €0,60–1,20 € (Lasea® ≈ 1 €/Tag)

Welche/r für wen? Konkrete Use-Cases

5-HTP und Lavendel-Silexan sprechen unterschiedliche Symptomprofile an – hier die häufigsten Konstellationen:

5-HTP ist die bessere Wahl, wenn…

Lavendel (Silexan) ist die bessere Wahl, wenn…

Praxistipp: Bei anhaltenden Angstzuständen oder Depressionen ist ärztliche Abklärung empfehlenswert. Pflanzliche Wirkstoffe ergänzen, ersetzen aber keine Diagnostik. Wer SSRIs einnimmt, kann Silexan in der Regel fortsetzen – 5-HTP hingegen nur nach ärztlicher Rücksprache.

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FAQ – Häufige Fragen zu 5-HTP & Lavendel (Silexan)

Was ist Silexan – und warum ist es medizinisch relevanter als gewöhnliches Lavendelöl?
Silexan ist ein standardisiertes Lavendelöl-Extrakt (80 mg pro Kapsel, erhältlich als Lasea®), das in randomisierten kontrollierten Studien klinisch geprüft wurde. Im Gegensatz zu Lavendelöl aus dem Drogeriemarkt – unbekannter Wirkstoffgehalt, nicht für orale Einnahme geeignet – ist Silexan auf die Hauptkomponenten Linalool und Linalylacetat normiert. Nur mit standardisierten Extrakten wie Silexan sind die publizierten Studienergebnisse reproduzierbar und vergleichbar.
Für welchen Angst-Subtyp ist Silexan besonders gut belegt – und für welchen 5-HTP?
Silexan ist am stärksten für generalisierte Angststörung (GAD) belegt: Die RCT von Kasper et al. (2014) zeigte bei GAD überlegene Wirksamkeit gegenüber Paroxetin 20 mg bei besserem Verträglichkeitsprofil. 5-HTP hat breitere Evidenz: Es wirkt auf depressive Symptome, gemischte Angst-Depression und soziale Angst. Reine GAD ohne depressive Komponente: Silexan. Depressive Verstimmung mit Angstkomponente: 5-HTP oder Kombination beider.
Kann man 5-HTP und Lavendel-Silexan kombinieren?
Eine Kombination ist pharmakologisch plausibel und ohne bekanntes Interaktionsrisiko: 5-HTP adressiert die Serotonin-Achse, Silexan hemmt VDCC und moduliert 5-HT1A-Rezeptoren. Es gibt keine RCTs zur Kombination, aber die Wirkmechanismen schließen sich nicht aus. Praxistipp: 5-HTP abends für Serotonin-Aufbau; Silexan täglich für Angstreduktion. Bei SSRI-Einnahme sollte 5-HTP ärztlich abgestimmt werden – Silexan ist in dieser Konstellation die sicherere Wahl.
Wie viele Wochen dauert es, bis Silexan erste Wirkung zeigt?
In der Studie von Kasper et al. (2010) wurden nach 2 Wochen erste messbare Verbesserungen des HAM-A-Scores beobachtet; die volle Wirkung trat nach 6–10 Wochen ein. 5-HTP zeigt erste Stimmungseffekte nach 1–2 Wochen. Beide Substanzen erfordern also Kontinuität – eine sofortige Angstlinderung wie bei Benzodiazepinen ist mit keiner von beiden zu erwarten. Silexan ist ein Dauerpräparat und kein Bedarfsmedikament.
Wirkt Silexan bei Depressionen genauso gut wie bei Angststörungen?
Nein. Die stärkste Evidenz für Silexan liegt bei Angststörungen, insbesondere GAD und gemischter Angst-Depression. Bei primärer Depression ohne Angstkomponente ist die Datenlage deutlich schwächer. 5-HTP hat in RCTs direkte antidepressive Wirksamkeit gezeigt (Pöldinger et al. 1991). Fazit: Für depressive Verstimmung ist 5-HTP klarer positioniert; für Angststörungen ist Silexan die evidenzbasiert überlegene pflanzliche Option.

Fazit

5-HTP und Lavendel-Silexan sind auf unterschiedliche Symptomprofile spezialisiert und ergänzen sich daher gut. 5-HTP ist die erste Wahl, wenn depressive Kernsymptome – Antriebslosigkeit, Anhedonie, Stimmungstief – im Vordergrund stehen und eine Serotonin-Unterstützung sinnvoll erscheint. Lavendel-Silexan ist die erste Wahl, wenn Angst, innere Unruhe und somatische Spannungssymptome dominieren – ohne das Risiko von Abhängigkeit oder Sedierung. Was beide verbindet: Die Evidenz kommt aus gut kontrollierten klinischen Studien, nicht aus Anekdoten. Für Personen mit gemischten Symptomen – depressive Verstimmung plus Angst – ist die Kombination beider Wirkstoffe eine interessante Option, die ärztlich begleitete Einzelsubstanzen ergänzen kann. Wer unter Angstsymptomen und gleichzeitiger Stimmungsproblematik leidet, sollte beide in Betracht ziehen und individuell testen, welche Substanz die ausgeprägtere Wirkung entfaltet.

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Dr. med. Julia Richter
Dr. med. Julia Richter
Fachärztin für Psychiatrie & Psychopharmakologie

Dr. Richter ist Fachärztin für Psychiatrie mit Schwerpunkt Psychopharmakologie und klinische Ernährungsmedizin. Sie beschäftigt sich seit über 10 Jahren mit der Wechselwirkung zwischen Mikronährstoffen, pflanzlichen Wirkstoffen und Neurotransmitter-Systemen. Dieser Artikel wurde unabhängig verfasst – ohne kommerzielle Beteiligung der genannten Hersteller.

Quellen & Studiennachweise

  1. Pöldinger W et al. (1991). Psychopathology. PubMed PMID 1909444
  2. Shell W et al. (2008). J Int Med Res. PubMed PMID 19417589
  3. Kasper S et al. (2010). Int Clin Psychopharmacol. PubMed PMID 20512042
  4. Kasper S et al. (2014). Int J Neuropsychopharmacol. PubMed PMID 24456909